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Bericht von der regionalen Kampagne-Opening- Veranstaltung der Präventions- und Gesundheitskampagne für MSM : “Ich weis was ich tu”
Circa 40-50 Gäste fanden sich am Montag den 10.03.2008 im Szeneclub Vogue in Koblenz ein, um mit dem Präventionsteam „Men-Line“ der AIDS-Hilfe Koblenz e.V. den regionalen „Startschuss“ für die bundesweite Präventions- und Gesundheitskampagne „Ich weiss was ich tu“ unter dem Motto: „Komm mit auf den neuen Weg, Prävention lustvoll und selbstbewusst zu (er)leben“ zu geben.
„Men-Line“ hatte zu dieser Veranstaltung, neben der schwulen Community der Stadt und der Region, auch zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesundheitswesen eingeladen. Leider hatten alle politischverantwortlichen und einige Vertreter des Gesundheitswesens trotz frühzeitiger Einladung, aus Termingründen abgesagt. Umso erfreuter war die Gruppe, das der Leiter der Immunologischen Amblanz am Klinikum Kemperhof, Herr Dr. Ansgar Rieke, sowie der Leiter des Haus Horizonts (betreutes Wohnen) aus Lahnstein, Herr Harald Einig der Einladung gefolgt waren. Der Bundestagsabgeordnete Josef Winkler (Bündnis90/Die Grünen) musste leider seine Teilnahme wegen der Sitzungswoche des Deutschen Bundestages in Berlin absagen, bedankte sich aber im Vorfeld der Veranstaltung bei dem Team für seinen ehrenamtlichen Einsatz, betonte ebenfalls die Wichtigkeit der Präventionsarbeit und sagte seine Unterstützung für die weitere Arbeit, insbesondere der Kampagne „Ich weis was ich tu“ zu.
Enttäuscht war das Team, das von den 6 eingeladenen Medienvertretern der Region niemand der Einladung gefolgt war.
Die Gäste begrüßte Gerhard Wermter, als Geschäftsstellenleiter der AH Koblenz e.V. in Anwesenheit des Vorstandsmitgliedes Christina Hildebrand und bedankte sich bei dem Präventionsteam für sein hohes Engagement in den letzten Jahren.
Dr. Rieke ging in seiner kurzen Ansprache auf die Situation der HIV Infizierten und an AIDS erkrankten Menschen in der Stadt und Region Koblenz ein. Erstaunt waren die Gäste über die doch hohe Zahl von ca. 50-70 regionaler Neuinfizierten jährlich. Diese Zahl zeigt wie wichtig die Präventionsarbeit auch für unsere Region ist und so, Dr. Rieke weiter, gerade die personalkommunikative Prävention, wie sie von „Men-Line“ gemacht wird in Zukunft einer der wichtigsten Bausteine erfolgreicher Präventionsarbeit darstellt. Er sprach in seinen weiteren Ausführungen die Testung auf den HI Virus an, und verwies dabei auf die Erkenntnis, dass bei rechtzeitigem Erkennen einer Infektion die Chance steige den Ausbruch der Krankheit AIDS nach hinten zu verlagern und so eine erfolgreiche Therapie der Infektionskrankheit gegeben ist. Er sagte dem Präventionsteam seine Unterstützung zu und wird in seinen, im Kampagnezeitraum stattfindenden Vorträgen auf diese bundesweite zielgruppenspezifische Präventions- und Gesundheitskampagne hinweisen. In einem Nebengespräch wurde mit Dr. Rieke über eine eventuelle Teilnahme des „Men-Line“ Teams am AIDS/Hepatitisforum am 20.September 08 im Klinikum Kemperhof zur Vorstellung der Kampagne gesprochen.
Wolfgang Wermter von „Men-Line“, auf dessen Initiative das Team sich an der bundesweiten Kampagne beteiligt, erläuterte (siehe Anlage) den Anwesenden die Ziele der Kampagne und forderte die Community dazu auf sich, im Rahmen der Partizipation der Zielgruppe, in die Kampagne einzubringen und somit der Kampagne zum Erfolg zu verhelfen. Reden über den eigenen Sex und den Sex mit dem Partner ist ein Weg auf dem sich eine Einschätzung jeden einzelnen persönlichen Risikos ergeben wird. Fundiertes Wissen wird hierbei durch das spezifisch geschulte, schwule, ehrenamtliche Präventionsteam vermittelt. Dabei kommt auch der verantwortungsvollen Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnissen eine hohe Bedeutung zu. Auch legte W. Wermter wert auf die Feststellung, dass die bisherige Präventionsaussage, dass der wirkungsvollste Schutz vor der Ansteckung mit dem HI Virus die Benutzung von Kondomen ist, bestand hat.
An Hand einer Videopräsentation wurde den Anwesenden die Kampagnematerialien sowie Andreas u. Wolfgang Wermter, die beide in einer langjährigen Partnerschaft als „defizitäres schwules Paar“ leben, als regionales Rollenmodel der Kampagne vorgestellt.
W. Wermter zeigte neben anderen Zielen der Kampagne auch das Ziel der Akzeptanz von HIV infizierten und an AIDS erkrankten Menschen. Eine Partnerschaft muss nicht an der Krankheit AIDS zugrunde gehen. Er forderte die Community auf, solche Menschen nicht zu stigmatisieren, sondern ihnen die Geborgenheit der Community zu geben.
An den offiziellen Teil schloss sich ein Auftritt von „Ricky“ alias Thomas an. In seiner musikalischen Parodie auf seine sexuellen Erfahrungen mit den Männern, die sich erst aus der Region dann aber International erstreckten, reagierte das Publikum mit viel Applaus.
Während der sich anschließenden Opening –Party wurden zahlreiche Einzelgespräche geführt in denen die Mitarbeiter des Teams viele Fragen zur Kampagne aber auch zum Umgang mit Infizierten und dem Schutz vor einer Ansteckung beantworten konnten.
Für die Präventionsgruppe „Men-Line“ war dieser Abend ein Erfolg und den Anwesenden konnten die Ziele und die Notwendigkeit dieser Kampagne klar gemacht werden. Jetzt heißt es dies Alles weiter in die Community zu tragen.
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„Prävention war noch nie ein leichtes Geschäft.“
-Ein neuer Weg, Prävention lustvoll und selbstbewusst zu (er)leben.-
Rede von Wolfgang Wermter (Präventionsgruppe „Men-Line“ der AH Koblenz e.V.) zur regionalen Kampagne-Opening-Veranstaltung der bundesweiten Präventions- und Gesundheitskampagne „Ich weiss was ich tu“ am 10.03.2008 im Vogue-Club Koblenz.
Liebe Gäste,
Kollegen und Förderer der AIDS-Arbeit,
Vertreter der Medien
und ganz besonders willkommen
Freunde und Angehörige der schwulen Community der Stadt Koblenz und der Umgebung.
HIV Prävention war noch nie ein leichtes Geschäft. Und so verwundert es kaum, dass auch die AIDS-Hilfe immer wieder vor neuen Herausforderungen steht. Vor allem die bessere medikamentöse Behandlung einer HIV Infektion hat zu einer Abnahme des Bedrohungspotenzials geführt. So wird HIV mittlerweile eher als eine schwere chronische Infektion als ein Todesurteil wahrgenommen. Gerade dies wirkt sich auch auf das Schutzverhalten der Menschen aus. Deshalb kommt der Aids Hilfe in dem Bereich der HIV- Prävention eine wichtige, - wenn nicht die wichtigste - Rolle zu.
Seit nunmehr 20 Jahren engagiert sich die Koblenzer AIDS- Hilfe unter anderem auch in der Primärprävention an Schulen und seit 3 Jahren durch ihr Präventionsteam „Men-Line“ verstärkt in der Prävention für die Zielgruppe MSM (Männer die Sex mit Männern haben). Das Präventionsteam „Men-Line“ besteht aus speziell in der Prävention für MSM geschulten, schwulen, ehrenamtlichen Mitarbeitern. Die im wahrsten Sinne des Wortes lebensnotwendige Präventionsarbeit in der schwulen Szene unserer Stadt liegt somit auch in den Händen von kompetenten Angehörigen dieser Community. In den letzten Jahren war das Team immer wieder, tags und nachts, in der schwulen Szene von Koblenz unterwegs und konnte durch Aktionen und Gespräche Vertrauen aufbauen und schwule Männer und Jugendliche für den Schutz vor der Ansteckung mit dem HI Virus und anderer sexuell übertragbaren Krankheiten sensibilisieren. Dabei war die Aktion „Gesicht zeigen!“ zum Welt Aids Tag 2007, bei der die Partizipation, also das Einbeziehen der Zielgruppe MSM erstmals im Mittelpunkt stand, ein großer Erfolg.
Heute starten wir auf regionaler Ebene in Zusammenarbeit mit der Deutschen Aids-Hilfe, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dem Bundesgesundheitsministerium die bis November 2009 angelegte bundesweite Präventions- und Gesundheitskampagne für MSM „ Ich weiss was ich tu“, die nah an den Menschen dieser Zielgruppe sein wird.
Zur Stunde finden in Berlin und vielen anderen deutschen Städten regionale Kampagne Opening-Veranstaltungen wie diese statt.
Da in der heutigen Zeit viele Kontakte über das virtuelle Medium Internet geknüpft werden, wird die Kampagne auch dort ab Mitte 2008 mit einem Portal vertreten sein.
Verschiedene Rollenmodelle aus der Vielfalt der Community werden mit Aussagen und Interviews zu Diskussionen und Denkanstößen beitragen. Ich bin schon seit 2 Jahren mit der Vorbereitung der Kampagne, zunächst in meiner Funktion als Delegiertenratsmitglied der Deutschen Aids- Hilfe für das Land Rheinland-Pfalz und später als Angehöriger des Kampagne Initiativkreises in der Entwicklung der Kampagne involviert. Darüber hinaus habe ich mich zusammen mit meinem Lebenspartner zur Teilnahme als Rollenmodell für die Gruppe der „defizitären bzw. diskortanten oder serodifferenten Paare“ , also als Beispiel der Beziehungen in denen ein Partner HIV positiv und der andere negativ getestet ist, entschlossen.
Erfreut und dankbar sind wir von der Gruppe „Men-Line“, dass wir in allen Szenewirten der Stadt: Vera und Ralf für den Affenclub, Thomas und Gerd für die Blue-Box und Jens und Fräggel für den Vogue-Club, regionale Kooperationspartner für die Kampagne in Koblenz gefunden haben. In diesen Lokalitäten wird die Gruppe „Men-Line“ in den kommenden Monaten verschieden Präventions- und Gesundheitsaktionen zur Kampagne durchführen. In Planung ist ebenfalls die Teilnahme mit einer größeren Aktion in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt, am diesjährig erstmals stattfindenden CSD Straßenfest hier in Koblenz.
Ziel der Kampagne „Ich weiss was ich tu“ ist es, neben dem immer noch wirkungsvollsten Schutz vor der Ansteckung mit dem HI Virus die Benutzung von Kondomen weiterhin zu empfehlen, aber auch die Menschen zu ihrem eigenen Risiko-Management anzuregen und ganz wichtig, durch Aufklärung hierzu zu befähigen.
Ein weiteres Ziel der Kampagne ist es, irritierende Darstellungen aus dem Internet oder aus populistischen Medien über HIV/AIDS im persönlichen Gespräch klarzustellen. Selbstverständlich werden auch der offene Umgang mit neuen Erkenntnissen aus der medizinischen Forschung und deren verantwortungsvolle Verbreitung Ziel der Kampagne sein.
Besonders wichtig wird im Zusammenhang mit der Kampagne sein, Euch, als Mitglieder der Community und somit die Zielgruppe MSM, in die Präventionsarbeit mit einzubeziehen. Durch Antworten auf Eure persönlichen Fragen an die Mitarbeiter von „Men-Line“ erhaltet Ihr kompetente, klare Antworten und erreicht somit einen Wissensstand, der Euch beim Abwägen eines eventuellen Risikos von Nutzen ist. Redet untereinander über Euren Sex und die damit aufkommenden Fragen, so werdet Ihr sehen, dass manche Eurer, wie Ihr meint eigenen Probleme, Ängste oder Sorgen auch die der anderen sind und vielleicht wisst Ihr genau in einem solchen Moment die Antwort auf spezielle Fragen. So werdet auch ihr dann Teil der Kampagne „Ich weiss was ich tu“
Weiterhin soll die Kampagne Euch auch Mut machen, in bestimmten Situationen „nein“ sagen zu können. Macht Euren Sexpartnern klar, dass Euch an Sex mit ihm viel gelegen ist, Ihr aber nicht bereit seid diesen Sex für den Preis Eurer Gesundheit oder gar Eures Lebens einzutauschen. Tragt die Verantwortung für Euch selbst – aber auch für Eure Partner. Schiebt nicht die Verantwortung auf den Anderen. Nicht sicheren Sex abzulehnen und in solchen Fällen Kondome zu benutzen und sich somit bestmöglich vor einer Infektion zu schützen ist kein Makel, es ist ein Zeichen von Verantwortung und Respekt vor dem eigenen und dem Leben eines Mitmenschen. Sagt es frei raus, dass ihr euch das wert seid!
Ein Teil der Kampagne wird sich mit dem HIV Test und den Testmöglichkeiten zu sexuell übertragbaren Krankheiten beschäftigen. Wir alle wissen: Prävention beginnt früher als mit dem Test. Ein einmaliges negatives Testergebnis ist kein Freifahrtschein auf Monate oder Jahre, erst recht nicht bei wechselnden Sexualpartnern, er macht nur eine begrenzt gültige Aussage.
Lassen Sie mich darauf hinweisen, dass es ebenfalls ein wichtiges Ziel der Kampagne ist, zu zeigen, dass HIV infizierte und an AIDS erkrankte Männer ein Teil der schwulen Community sind. Wir werden uns einsetzen für die Integration dieses Personenkreises und die Community auffordern nicht mehr zu spekulieren und zu vermuten, sondern offen auf Menschen zuzugehen und sich ehrlich nach ihrem gesundheitlichen Befinden zu erkundigen. Weiter möchten wir klar machen, dass es auch Wege des geschützten sexuellen Kontaktes mit dieser Personengruppe gibt. Liebe und Zuneigung müssen nicht an der Erkrankung oder gar an der Infektion enden.
Ich wünsche Euch und uns Erfolg der Präventions- und Gesundheitskampagne: „Ich weiss was ich tu“
Wir haben uns heute für die Eröffnungsveranstaltung den Vogue-Club ausgewählt, da dieser Ort ein Mittelpunkt im schwulen Leben der Stadt Koblenz, wenn nicht sogar des gesamten nördlichen Rheinland Pfalz darstellt und wir mit unserer Kampagne und deren Botschaft „Ich weiss was ich tu“ mitten ins schwule Leben der Stadt und der ganzen Region gehören.
Ich wünsche allen noch viel Spaß mit unserer „Ricky“ alias Thomas und ich stehe ihnen mit meinen Kollegen gerne für ein persönliches Gespräch im Verlauf des heutigen Abends zur Verfügung.
Wir fordern Euch auf: Geht mit uns den neuen Weg, Prävention lustvoll und selbstbewusst zu (er)leben.
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klasse dass “ich weiss was ich tu” auch in koblenz läuft!
Kommentar von ondamaris 24.März.2008 @ 8:08 Uhr nachmittagsviel erfolg
[...] Es war ein schöner Sonntag und meinem Mann und mir wurde wieder unser Motto für den Videodreh zur IWWIT Kampagne “Es muss nicht immer Großstadt sein” voll bewusst. Wer mehr Bilder vom [...]
Pingback von Hinterhoffest 2008 der AH Trier e.V. « koww´s Webblog 16.Juni.2008 @ 9:16 Uhr vormittags[...] geplante Präventionskampagne “Ich weiss was ich tu” regional für das nördliche RLP gestartet. Der für diesen Tag geplante bundesweite Start wurde von der BZgA und dem BMG verschoben. Das [...]
Pingback von “Ich weiss was ich tu” regional « koww´s Webblog 29.Juni.2008 @ 9:09 Uhr vormittags